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8 Jahre investieren: Meine Bilanz, meine Fehler, ungeschönt

Werbung | Zuletzt aktualisiert: September 2026 | Datenstand: 25./27.09.2026 | Autor: Markus Schachl

Geprüft am : alle Summen und Prozentwerte nachgerechnet; Krypto-Besteuerung (BMF), Status Rendity (Konkurs, Handelsgericht Wien) und Swaper (Latvijas Banka).

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Warum ich das aufschreibe

Im Internet findest du fast nur Erfolgsgeschichten: Depots im Plus, Coins, die sich verzehnfacht haben. Die Verluste stehen nicht drin, weil sie peinlich sind.

Vorher habe ich 15 Jahre lang brav gespart, mit Bausparer, fondsgebundener Lebensversicherung und dem vollen Programm vom Bankberater. Unterm Strich habe ich dabei draufgezahlt. Im Dezember 2017 habe ich angefangen, es selbst zu machen. Jede Transaktion seitdem steht in meinem Portfolio-Tracker. Die Zahlen hier stammen direkt daraus, nicht aus dem Gedächtnis.


Die Bilanz vorweg

Anlageklasse Netto eingesetzt* Wert heute Dividenden/Zinsen Ergebnis Ergebnis in %
ETFs 50.728 € 76.286 € 2.485 € +28.043 € +55 %
Einzelaktien 47.558 € 56.996 € 6.368 € +15.806 € +33 %
Kryptowährungen 3.675 € 21.900 € – +18.224 € +496 %
P2P-Kredite – – 3.121 € Zinsen, −1.181 € Ausfälle +1.939 € –
Gesamt ca. +64.000 €

*Käufe minus Verkäufe. Das Ergebnis enthält realisierte und nicht realisierte Gewinne sowie Dividenden (netto nach Quellensteuer). Kurse vom 25.09.2026, Krypto vom 27.09.2026. DeFiChain-Belohnungen zählen nicht als Einsatz (siehe unten).

Vier Dinge, damit du die Zahlen richtig liest:

  1. Das ist vor Steuern. Auf Kursgewinne aus Aktien, ETFs und Krypto fallen in Österreich 27,5 % KESt an. P2P-Zinsen aus Privatdarlehen werden sogar zum persönlichen Einkommensteuertarif besteuert. Was wirklich bei mir bleibt, ist spürbar weniger.
  2. Das meiste ist Buchgewinn. Rund 155.000 € stecken noch im Markt. Ein Crash wie 2020 und ein Drittel davon ist auf dem Papier weg.
  3. Bankzinsen sind nicht drin. Seit 2020 kamen rund 2.020 € Zinsen auf Tagesgeld und Verrechnungskonten dazu. Das ist Sparen, nicht Investieren, deshalb habe ich es nicht eingerechnet.
  4. Celsius und Nuri sind eingerechnet, aber nicht einzeln belegbar. Die Ein- und Auszahlungen stecken in meinen Bitcoin- und Ethereum-Buchungen. Einen sauberen Nachweis pro Plattform kann ich heute nicht mehr ziehen.

Fehler 1: Blind in Krypto, zum Höchstkurs (Dezember 2017)

Ich bin genau dann eingestiegen, als alle eingestiegen sind: im Dezember 2017, am Höhepunkt des ersten großen Hypes. Meinen ersten Bitcoin-Anteil habe ich umgerechnet zu rund 12.000 bis 14.000 € pro Bitcoin gekauft. Danach ist der Kurs um mehr als 70 % gefallen.

Das allein wäre verkraftbar gewesen. Schlimmer war, was danach kam: Ich habe Coins gekauft, weil sie in irgendeinem Forum gut klangen.

Coin Eingesetzt Zurück / Wert heute Ergebnis
TenX 505 € 10 € −98 %
IOTA 139 € 7 € −95 %
QASH 148 € 6 € −96 %
XRP 88 € 53 € −40 %
Dash, Monero, Golem, Cardano 280 € 204 € −27 %

Die Lektion: Ich wusste bei keinem dieser Coins, was ich da eigentlich kaufe. Das war kein Investieren, das war Lotto mit schlechterer Quote.

Was sich rückblickend gelohnt hat, waren die zwei langweiligsten Positionen:

  • Bitcoin: 3.031 € eingesetzt, 1.255 € verkauft, heute 16.516 € wert. Das sind +14.740 €.
  • Ethereum: 947 € eingesetzt, heute 5.263 € wert. Das sind +4.317 €.

Ohne die Exoten stünde ich besser da, und ich hätte weniger Stress gehabt.


Fehler 2: DeFiChain, der Gewinn, der sich in Luft aufgelöst hat

Das hier stand in der alten Version dieses Artikels nicht drin. Es gehört aber rein, auch wenn es kein klassischer Verlust ist.

Ab 2020 habe ich direkt auf der DeFiChain Liquidity Mining und Staking betrieben. Eingesetzt habe ich dafür keinen einzigen Euro aus meinem Konto. Alles, was an DFI-Token in meinen Büchern steht, waren Belohnungen. Zum Zeitpunkt des Zuflusses waren sie in Summe rund 5.470 € wert.

Verkauft habe ich im Dezember 2024 für 59 €.

Rechnerisch sind das −99 %. Verloren habe ich aber kein eingesetztes Kapital. Ich habe einen Gewinn liegen lassen, bis er weg war. Deshalb zählen diese Token in der Bilanz oben auch nicht als Einsatz.

Ganz ohne Kosten war es trotzdem nicht: Die Erträge habe ich brav versteuert. Nach heutiger Rechtslage gilt laut BMF: Erträge aus Liquidity Mining sind laufende Einkünfte und werden schon beim Zufluss mit 27,5 % besteuert. Klassische Staking-Belohnungen werden dagegen beim Zufluss nicht besteuert, sie gehen mit Anschaffungskosten von null ins Depot. Ich habe also Steuer auf Geld gezahlt, das es zwei Jahre später nicht mehr gab.

Die Lektion: Eine „Rendite“, die in einem Token ausgezahlt wird, der gleichzeitig ins Bodenlose fällt, ist keine Rendite. 20 % Zinsen auf etwas, das 99 % verliert, sind ein schöner Countdown. Hätte ich die Belohnungen laufend in Euro oder Bitcoin getauscht, stünden rund 5.000 € mehr in dieser Bilanz. Das ist mehr, als mir alle P2P-Kredite zusammen gebracht haben.


Fehler 3: Not your keys, not your coins (Celsius & Nuri)

Diesen Satz hatte ich oft gelesen. Verstanden habe ich ihn erst 2022.

Ich hatte Kryptowährungen bei Celsius und bei Nuri (vormals Bitwala) liegen. Beide versprachen Zinsen auf Coins. Beide gingen 2022 pleite. Mein Geld war eingefroren, und aus den Insolvenzverfahren kam erst viel später ein Teil zurück. Ein Teil, nicht alles.

Was ich heute anders mache:

  • Größere Krypto-Bestände liegen auf einer Hardware-Wallet (Ledger), nicht auf einer Plattform.
  • Wenn ich kaufe, dann über Bitpanda. Die Plattform ist österreichisch, EU-reguliert und bei Krypto steuereinfach. Die KESt wird also automatisch abgeführt.
  • Zinsen auf Coins? Nie wieder. Wenn dir jemand 10 % auf deinen Bitcoin verspricht, dann ist in der Regel dein Bitcoin das Produkt.

👉 · So läuft die Anmeldung: Bitpanda-Anleitung

Ein Steuerdetail, das mir Glück gebracht hat: Kryptowährungen, die bis 28. Februar 2021 angeschafft wurden, gelten laut BMF als Altbestand und fallen nicht unter das neue Besteuerungsregime. Für sie gilt die alte Spekulationsfrist: Nach mehr als einem Jahr Haltedauer sind Gewinne steuerfrei. Ein großer Teil meines Bitcoin-Gewinns stammt aus solchen Käufen. Das war Timing, keine Strategie. Alles, was du heute kaufst, unterliegt 27,5 % KESt.


Fehler 4: Die Dividendenjagd mit REITs (2022–2023)

Nach dem Coronacrash wollte ich „Cashflow“. Monatliche Dividenden, hohe Ausschüttungsrenditen. Also habe ich US-Immobilien-REITs gekauft. Dann kamen die Zinserhöhungen.

Position Ergebnis inkl. Dividenden
Medical Properties Trust −1.692 €
Apple Hospitality REIT −717 €
Realty Income −438 €
Weyerhaeuser −311 €
W.P. Carey −114 €
EPR, Gaming & Leisure, VICI, LTC, MGM Growth +1.031 €
REITs gesamt −2.241 €

Die Dividenden kamen pünktlich, und trotzdem habe ich Geld verloren. Eine hohe Dividendenrendite ist oft nur ein hoher Preis dafür, dass der Markt dem Unternehmen misstraut. Bei Medical Properties Trust hatte der Markt recht.

Dazu kommen ein paar Einzelaktien, bei denen ich heute noch im Minus bin: Nike (−452 €), Hormel (−433 €), Diageo (−369 €), Lowe’s (−213 €).


Fehler 5: Das Plattformrisiko bei P2P-Krediten unterschätzt

Ab 2018 habe ich in P2P-Kredite investiert. Die Bilanz nach Plattform:

Plattform Zinsen Ausfälle Status
Estateguru 892 € −9 € 2.318 € noch offen, Rückzahlung ungewiss
Monefit SmartSaver 725 € – aktiv
Bondora Go & Grow 533 € – aktiv
Mintos 474 € −188 € geschlossen
Rendity (Österreich) 196 € −500 € insolvent (Konkurs seit 14.09.2026)
Twino 192 € −46 € geschlossen
Reinvest24 63 € −438 € abgeschrieben
Swaper 46 € – abgezogen (seit Oktober 2025 auf der Liste der lettischen Zentralbank für Anbieter ohne passende Lizenz)
Gesamt 3.121 € −1.181 € +1.939 €

Das klingt nach „hat sich ja gelohnt“. Die genaue Rechnung sieht anders aus: Von jedem Euro Zinsen haben mir Ausfälle 38 Cent wieder weggenommen. Bei Estateguru hängen noch 2.318 € fest, und wie viel davon zurückkommt, weiß ich nicht. Die Zinsen muss ich außerdem zu meinem persönlichen Steuersatz versteuern. Pro Stunde Aufwand war P2P mein schlechtestes Investment.

👉 Welche Plattformen ich heute wie einschätze, steht im P2P-Kredite Master-Guide 2026.


Der Glücksgriff: Nachkäufe im Coronacrash

Zwischen Ende Februar und Ende Juni 2020 habe ich rund 5.400 € investiert. Die Positionen, die ich noch halte:

Position Eingesetzt Wert heute Kursentwicklung
Bitcoin 142 € 1.242 € +775 %
Alphabet 171 € 845 € +394 %
Microsoft 175 € 493 € +182 %
Shell 125 € 332 € +166 %
Berkshire Hathaway 174 € 444 € +155 %
MSCI World ETF 1.000 € 2.444 € +144 %
Cisco 125 € 285 € +128 %
Amazon 172 € 372 € +117 %
Global Select Dividend ETF 1.000 € 1.893 € +89 %
Johnson & Johnson 175 € 315 € +80 %
Coca-Cola 175 € 304 € +74 %
Fraport 175 € 265 € +51 %
McDonald’s 175 € 211 € +21 %
P&G, Starbucks, 3M, LVMH, Sixt 574 € 625 € +9 %
Disney 175 € 152 € −13 %
Summe (noch gehalten) 4.533 € 10.222 € +126 %

Nur Kursentwicklung, ohne Dividenden. AT&T, Metro und den MSCI-EM-ETF habe ich inzwischen verkauft.

Jetzt der Teil, den man in solchen Berichten selten liest: Das war zu einem großen Teil Glück. Ich wusste im März 2020 nicht, dass der Boden erreicht war. Niemand wusste das. Mein einziger echter Verdienst war, dass ich Cash hatte und nicht panisch verkauft habe.

Und noch etwas: Der MSCI-World-ETF aus derselben Woche liegt mit +144 % vor 12 der 16 Einzelaktien. Ganz ohne die Frage, ob Fraport oder Disney die richtige Wahl waren.


Was wirklich funktioniert hat

Wenn ich auf die Jahre zurückschaue, dann war nicht die spannendste Entscheidung die beste. Die beste war der ETF-Sparplan.

  • +28.043 € Ergebnis. Das ist der größte Block der ganzen Bilanz, fast doppelt so viel wie meine Einzelaktien.
  • +55 % auf das eingesetzte Kapital, im Vergleich zu +33 % bei den Einzelaktien. Dabei habe ich in die Einzelaktien ein Vielfaches an Recherche, Nerven und Orders gesteckt.
  • Kein Plattformrisiko, keine Pleite-Börse, kein „Hätte ich doch“.

Einen Gewinner bei den Einzelaktien will ich nicht verschweigen: Alphabet (+3.260 €) und Rio Tinto (+3.731 € inkl. Dividenden) haben richtig geliefert. Nur haben die REITs und die Verlierer einen guten Teil davon wieder aufgefressen.

Und die Dividenden? Die sind von 6 € im Jahr 2018 auf über 2.200 € im Jahr 2024 gewachsen. Das fühlt sich gut an. Es ersetzt aber keine Gesamtrendite. Siehe REITs.


Meine 5 Lektionen aus 8 Jahren

  1. Kauf nichts, das du nicht in zwei Sätzen erklären kannst. TenX, IOTA, QASH, REITs: Jeder meiner großen Verluste begann mit einem Investment, das ich nicht verstanden habe.
  2. Verwahrung ist Teil der Rendite. Celsius, Nuri, Rendity, Reinvest24: Plattformen gehen pleite. Wo dein Geld liegt, ist genauso wichtig wie worin es steckt.
  3. Hohe Zinsen oder Dividenden sind ein Risikohinweis, kein Geschenk. Siehe DeFiChain, siehe Medical Properties Trust. Und Erträge, die du nicht sicherst, sind nur geliehen.
  4. Cash-Reserve ist Handlungsfähigkeit. Im Coronacrash konnte ich nur kaufen, weil ich nicht verkaufen musste.
  5. Langweilig gewinnt. Der ETF-Sparplan hat mehr gebracht als alles, worüber ich stundenlang nachgedacht habe.

Das Wichtigste habe ich aber nicht in Euro gemessen: Seit ich verstehe, was ich tue, habe ich keine Angst mehr vor dem Thema Geld. Das hat mir keine Bankberatung in 15 Jahren gegeben.


Dein nächster Schritt: Die Abkürzung

Für meine Fehler habe ich rund 4.400 € echtes Lehrgeld bezahlt: REITs, P2P-Pleiten, Krypto-Exoten, dazu Celsius und Nuri. Obendrauf kommen rund 5.400 € DeFiChain-Erträge, die sich in Luft aufgelöst haben. Du musst das nicht wiederholen.

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Hinweis: Das ist mein persönlicher Erfahrungsbericht, keine Anlage- oder Steuerberatung. Vergangene Renditen sind keine Garantie für die Zukunft. Alle Gewinnangaben verstehen sich vor Steuern, Dividenden netto nach Quellensteuer. Mit * markierte Links sind Affiliate-Links: Eröffnest du darüber ein Konto, bekomme ich eine Provision. Für dich ändert sich nichts.


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