Zum Inhalt springen
finanzielle-bildung.at
Menü

P2P-Kredite in Österreich: Plattformen, Risiken und Steuern

Werbung | Stand: Oktober 2026 | Autor: Markus Schachl

Geprüft am : Warnliste der Latvijas Banka (bank.lv, aktualisiert 21.09.2026), § 27 Abs. 8 und § 27a EStG (RIS), Steuertarif 2025 und 2026 sowie Kapitalvermögen (bmf.gv.at, Stand 01.01.2026), Formular E 1kv 2025 (Version 27.06.2025), Lizenzangaben auf den Websites der Plattformen, Konkurs Rendity (Stiftung Warentest, 02.10.2026). Zinsen und Ausfallraten: Zins-Scout, Datenstand 10.10.2026. Nicht aus einem Test aller Plattformen mit eigenem Geld.

Mit * markierte Links sind Affiliate-Links. Mehr dazu

¹ Zinsen bzw. Gebühren können sich geändert haben. Werte aus dem Vergleichsrechner aktualisieren sich hier automatisch, alle anderen Zahlen und Screenshots gelten zum genannten Datum. Die aktuellen Konditionen findest du im P2P-Vergleichsrechner.

Inhalt

  1. Was P2P-Kredite sind und was nicht
  2. Die fünf Risiken, die du kennen musst
  3. Steuern in Österreich: Tarif statt KESt
  4. Die Plattformen im Risiko-Check
  5. Warnliste
  6. Meine fünf Regeln für P2P
  7. Fazit und nächste Schritte

1. Was P2P-Kredite sind und was nicht

Bei P2P-Krediten (Peer-to-Peer) finanzierst du über eine Online-Plattform Kredite an Privatpersonen oder Unternehmen. Dafür bekommst du Zinsen. Die Bank als Mittelsmann fällt weg, und damit auch alles, was eine Bank für dich absichert.

Die Plattformen in meinem Rechner lassen sich grob so einteilen:

Kreditart Womit besichert Beispiele
Konsumkredite Meist gar nicht. Oft gibt es eine Rückkaufzusage des Kreditgebers PeerBerry, Lendermarket
Unternehmenskredite Teilweise Sicherheiten Debitum
Kredite an Firmen der eigenen Gruppe Nicht. Kreditgeber, Kreditnehmer und Rückkaufpflicht gehören zum selben Konzern Nectaro (zu rund drei Vierteln, der Rest sind Konsumkredite)
Darlehen an Kreditfirmen Meist nicht. Die Kreditfirma haftet mit ihrem Vermögen Afranga. Bei Twino als Wertpapier, mit einer einzigen Kreditfirma derselben Gruppe (Kreditkarten in Polen)
Immobilien Pfandrecht an der Immobilie Crowdpear, Estateguru. Bei Indemo hält die Hypothek der spanische Forderungskäufer, nicht der Anleger
Agrarkredite Land, Maschinen InSoil, LANDE
Gebündelte Produkte Ein Topf aus vielen Krediten, du wählst nichts aus Go & Grow, Monefit SmartSaver

Was P2P nicht ist: Tagesgeld mit mehr Zinsen. Es gibt keine gesetzliche Einlagensicherung. Bei Plattformen mit Wertpapierlizenz greift höchstens die Anlegerentschädigung bis 20.000 €. Die springt ein, wenn die Plattform selbst ausfällt und dein Geld oder deine Wertpapiere nicht herausgeben kann. Sie ersetzt keinen Kredit, der nicht zurückgezahlt wird. Crowdfunding-Plattformen schreiben selbst dazu, dass weder Einlagensicherung noch Anlegerentschädigung gilt (so etwa Afranga, LANDE und Estateguru).


2. Die fünf Risiken, die du kennen musst

1. Kreditausfall. Kreditnehmer zahlen nicht zurück. Mein Rechner zeigt dazu die Ausfallrate für Kunden: den Anteil des Anlegerkapitals, der aktuell nicht bedient wird und durch keine Rückkaufzusage gedeckt ist, oder den bereits eingetretenen Anlegerverlust. Der höhere der beiden Werte zählt. Das ist eine Messung des Zins-Scouts aus öffentlichen Statistiken, keine amtliche Kennzahl. Plattformen rechnen ihre eigene Quote oft freundlicher.

2. Kreditgeber-Risiko. Bei den meisten Konsumkredit-Plattformen vergibt nicht die Plattform den Kredit, sondern ein Kreditgeber dahinter. Die „Rückkaufgarantie“ (Buyback) ist nur so viel wert wie dessen Bilanz. Kann der Kreditgeber nicht zahlen, hilft dir die Zusage nicht.

3. Plattformrisiko. Die Plattform selbst kann zahlungsunfähig werden oder ohne Lizenz arbeiten. Ein Beispiel aus Österreich, aus dem verwandten Crowdinvesting: Über die frühere Rendity GmbH aus Wien (heute Bojti Crowd Eins GmbH) wurde am 14. September 2026 am Handelsgericht Wien der Konkurs eröffnet (Aktenzeichen 4 S 105/26g). Laut Stiftung Warentest hatten rund 38.000 Anleger über die Plattform investiert, und zwar in qualifizierte Nachrangdarlehen. Bei dieser Form stehst du in der Insolvenz hinter allen anderen Gläubigern.

4. Liquidität. Dein Geld ist für die Laufzeit gebunden. „Jederzeit verfügbar“ gilt bei gebündelten Produkten nur, solange genug Geld im Topf ist. Go & Grow und Monefit schreiben beide auf ihrer Website, dass sie bei Bedarf in Teilbeträgen auszahlen.

5. Klumpenrisiko. Wer 100 Kredite hält, die alle vom selben Kreditgeber oder aus demselben Land stammen, ist nicht gestreut. Er hat ein Risiko in 100 Stücke geschnitten.


3. Steuern in Österreich: Tarif statt KESt

Deutsche P2P-Blogs helfen dir hier nicht weiter, in Österreich gelten eigene Regeln.

Die Grundregel: Einkommensteuertarif

Der besondere Steuersatz von 27,5 % gilt nicht für „Einkünfte aus Darlehen und nicht verbrieften sonstigen Forderungen, denen kein Bankgeschäft zu Grunde liegt“ (§ 27a Abs. 2 Z 1 EStG). Das BMF nennt als Beispiel ausdrücklich Privatdarlehen: keine KESt, in die Steuererklärung aufnehmen, allgemeiner Tarif. Das ist der klassische P2P-Fall. Für dich heißt das:

  • Kein KESt-Abzug. Keine Plattform in meinem Rechner führt österreichische KESt ab. Du deklarierst alles selbst.
  • Wo eintragen: Beilage E 1kv, Punkt 1.1.2, Kennzahl 857 („Sonstige tarifsteuerpflichtige Einkünfte aus Kapitalvermögen“, das Formular nennt Zinsen aus Privatdarlehen als Beispiel). Hat die Plattform ausländische Quellensteuer abgezogen, die du anrechnen willst, gehören diese Einkünfte in Kennzahl 929 und die Steuer in Kennzahl 940.
  • Eigener Topf: Tarif-Einkünfte dürfen nicht mit Einkünften zum besonderen Steuersatz verrechnet werden (§ 27 Abs. 8 Z 3 EStG). Ein Verlust aus P2P drückt also nicht die KESt auf deine ETF-Gewinne, und umgekehrt. Verluste aus Kapitalvermögen lassen sich auch nicht mit dem Gehalt verrechnen und nicht ins nächste Jahr mitnehmen.
  • Kosten: Das Abzugsverbot für Werbungskosten gilt für diese Einkünfte nicht (Anmerkung 1 im Formular E 1kv).
  • Kreditausfälle: Ob und wie du einen endgültig ausgefallenen Kredit gegen deine P2P-Zinsen rechnen darfst, steht in keiner der amtlichen Quellen, die ich geprüft habe. broker-test.at hält die Verrechnung für zulässig. Bei größeren Beträgen klärst du das vorher mit einer Steuerberatung oder dem Finanzamt.

Was der Tarif bedeutet, zeigt die Tabelle für 2026. Sie gilt für Zinsen, die dir heuer zufließen:

Einkommensteil 2026 Grenzsteuersatz Von 1.000 € P2P-Zinsen bleiben
bis 13.539 € 0 % 1.000 €
13.539 bis 21.992 € 20 % 800 €
21.992 bis 36.458 € 30 % 700 €
36.458 bis 70.365 € 40 % 600 €
70.365 bis 104.859 € 48 % 520 €
104.859 bis 1 Mio. € 50 % 500 €

Quelle: bmf.gv.at, Steuertarif (Stand 01.01.2026). Über 1 Mio. € gelten bis 2029 55 %. Für die Erklärung 2025 liegen die Grenzen bei 13.308 / 21.617 / 35.836 / 69.166 / 103.072 €.

bmf.gv.at am Handy: Tarifstufen 2026 von 0 % bis 13.539 Euro über 20, 30, 40 und 48 % bis 50 % ab 104.859 Euro

Was das für die Rendite heißt: Liegt dein Gehalt in der 40-%-Stufe, bleiben von 10 % P2P-Zinsen nach Steuer 6 %, und das noch vor Ausfällen. Bei einem ETF wären es 27,5 % KESt. P2P-Zinsen aus Darlehen sind ab der 30-%-Stufe also höher besteuert als Erträge aus Wertpapieren.

Deshalb weist mein P2P-Rechner den Ertrag vor Steuern aus. Ein pauschaler KESt-Abzug wäre bei P2P falsch. Was dir bleibt, rechnest du mit deinem Grenzsteuersatz aus der Tabelle.

Der Veranlagungsfreibetrag von 730 €

  • Bist du Arbeitnehmer und liegen deine anderen Einkünfte, etwa P2P-Zinsen zum Tarif, bei höchstens 730 € im Jahr, bleiben sie steuerfrei.
  • Liegen sie darüber, musst du eine Steuererklärung abgeben (Pflichtveranlagung). Für 2025 gilt das ab einem Einkommen über 14.517 €.
  • Kapitalerträge zum besonderen Steuersatz ohne KESt-Abzug, etwa aus Notes (siehe unten), musst du unabhängig davon erklären.

Quelle: BMF, Das Steuerbuch 2026 (Veranlagung 2025).

Die Ausnahme: verbriefte Produkte, zum Beispiel Mintos Notes

Der Tarif gilt für Darlehen und unverbriefte Forderungen. Für Forderungswertpapiere gilt er nur dann, wenn sie bei der Begebung nicht öffentlich angeboten wurden (§ 27a Abs. 2 Z 2 EStG). Öffentlich angebotene Wertpapiere fallen unter 27,5 %.

Kredite kaufst du bei Mintos heute als Notes, also als Wertpapiere. Der Basisprospekt nennt ein öffentliches Angebot in Österreich, die Erträge laufen deshalb mit 27,5 %. Auch hier zieht niemand österreichische KESt ab. Die Erträge gehören in die Kennzahl 863, die in Lettland einbehaltene Quellensteuer von 5 % in die Kennzahl 998. Wer noch alte Mintos-Kredite aus Abtretungsverträgen hält, hat unverbriefte Forderungen: Dafür gilt der Tarif, Kennzahl 857, auch wenn der Mintos-Leitfaden für Österreich 27,5 % schreibt.

Auch Debitum, Twino, Viainvest, Nectaro und Indemo sind laut eigener Angabe lizenzierte Wertpapierfirmen. Wie deren Produkte in Österreich einzuordnen sind, habe ich nicht für jede Plattform geprüft. Für Nectaro ja: Alle drei gültigen Basisprospekte nennen ein öffentliches Angebot in Österreich, die Zinsen laufen also mit 27,5 % in Kennzahl 863, die lettische Quellensteuer von 5 % in Kennzahl 998. Für Twino ebenso: Beide gültigen Basisprospekte (FLEXI und die übrigen Wertpapiere) nennen ein öffentliches Angebot in Österreich, also 27,5 % in Kennzahl 863 und 5 % Quellensteuer in Kennzahl 998. Alte Twino-Darlehensanteile aus der Zeit vor der Lizenz sind unverbriefte Forderungen, dafür gilt der Tarif, Kennzahl 857.

Merksatz: Darlehen oder Forderung ohne Wertpapier → Tarif, Kennzahl 857. Öffentlich angebotenes Wertpapier → 27,5 %, Kennzahl 863. In beiden Fällen deklarierst du selbst. Frag die Plattform schriftlich nach der rechtlichen Form deines Investments und heb die Antwort auf.

Wie du die E 1kv in FinanzOnline ausfüllst, zeigt mein Steuer-Gameplan für Anleger.


4. Die Plattformen im Risiko-Check

Meine Einstufung beruht auf drei Kriterien: Lizenz, geprüfter Jahresabschluss und Ausfallrate für Kunden. Zinsen und Ausfallraten stammen aus dem Zins-Scout (Datenstand 10.10.2026) und ändern sich laufend. Die Plattformen selbst werben oft mit „bis zu“-Werten, die höher liegen. Den aktuellen Stand samt Bonus zeigt der P2P-Rechner.

Die Risiko-Ampel

Stufe Bedeutung
🟢 Grundlagen erfüllt Lizenz in der EU, geprüfter Abschluss, Ausfallrate für Kunden unter 10 %
🟡 Mit Vorbehalt Lizenz, aber Ausfallrate ab 10 %. Oder keine Lizenz für das Anlageprodukt, aber geprüfter Abschluss
🟠 Hohes Risiko Kein geprüfter Abschluss oder sehr hohe Ausfallrate
🔴 Warnliste Namentlich auf der Warnliste einer Aufsichtsbehörde

Grün heißt nicht sicher. Grün heißt: Die Mindestanforderungen sind erfüllt.

Die wichtigsten Plattformen im Detail

Mintos 🟡

Betreiber ist die AS Mintos Marketplace in Riga, seit 2021 als Wertpapierfirma von der Latvijas Banka zugelassen, für Österreich seit 27.09.2023 eingetragen. Es gilt die Anlegerentschädigung bis 20.000 €, aber nur, wenn Mintos selbst versagt, nicht beim Ausfall einer Kreditfirma. Die Ausfallrate für Kunden liegt laut Scout bei 29,1 %. Das sind nicht nur Altlasten: Die Kreditstatistik von Mintos zeigt am 16.10.2026 rund 184,5 Mio. € in Rückforderung bei Kreditfirmen mit laufendem Verzugsfall (darunter Nera Capital und IDF Eurasia), daneben rund 569 Mio. € bei aktiven Kreditfirmen. Viele Kreditfirmen sitzen außerhalb der EU, etwa in Kasachstan, Kenia oder Mexiko. Neben Krediten bietet Mintos inzwischen Anleihen, ETFs, Aktien und Immobilien an.

  • Zinsen: rund 10,5 % p. a. laut Scout. Mintos nennt 10,32 % für alle offenen Kredite und 9,2 % für „Core Loans“ (16.10.2026), davon gehen 0,39 % Gebühr pro Jahr ab.
  • Raus kommen: Die Auszahlung aus Core Loans klappt nur für Pakete ohne größere Verspätungen, sonst bleibt der Sekundärmarkt mit 0,85 % Gebühr.
  • Steuer: Notes, 27,5 %, selbst deklarieren. Alte Abtretungs-Kredite zum Tarif.
  • Für wen: Für Anleger, die ihre Kreditgeber selbst auswählen wollen.

👉

Indemo 🟡

Betreiber ist die Indemo SIA in Riga, im Register der Latvijas Banka als Wertpapierfirma eingetragen (seit 15.11.2022). Du kaufst Notes einer Zweckgesellschaft. Das Geld geht als Darlehen an eine von drei Firmen in Barcelona, die notleidende spanische Hypothekarkredite mit Abschlag kaufen und eintreiben. Zurück fließt erst etwas, wenn die Forderung abgewickelt ist: zuerst das Kapital, dann ein Anteil am Überschuss.

Indemo erfüllt die drei Kriterien und steht trotzdem auf Gelb. Die Hypothek gehört dem spanischen Forderungskäufer. Für die Anleger gibt es laut Prospekt nur eine Option auf dessen Firmenanteile, im Konkurs wären sie ungesicherte Gläubiger. Der größte Partner hatte 2025 eine Bilanzsumme von rund 8,85 Mio. €. Seit 08.10.2026 setzt Spanien Räumungen schutzbedürftiger Bewohner bis Ende 2030 aus, wenn der Kläger notleidende Portfolios kauft (Real Decreto-ley 29/2026). Indemo schätzt die Folgen als gering ein. Laut Prospekt darf die Laufzeit wegen neuer Gesetze ohne Zustimmung der Anleger verlängert werden.

Das ist kein Zinsprodukt. Die 21,7 % im Rechner sind eine Zielrendite aus einer Gewinnbeteiligung, kein zugesagter Zins. Indemo nennt 21,0 % für die 26 bisher abgeschlossenen Anlagen und als erwarteten Wert im mittleren Szenario 15,1 % pro Jahr. Von 39,1 Mio. € investiert sind laut Indemo 4,7 Mio. € zurückgeflossen (14.10.2026). Einen Sekundärmarkt gibt es nicht. Ausfallrate für Kunden laut Scout: 2,7 %.

  • Steuer: Wertpapiere, nach meiner Einordnung 27,5 %, selbst deklarieren.
  • Für wen: Für Anleger, die Geld mehrere Jahre nicht brauchen, das Modell verstanden haben und Indemo nur als kleine Beimischung halten.

👉

Go & Grow (ehemals Bondora) 🟡

Das Produkt läuft inzwischen unter eigener Marke, Betreiber ist die Go&Grow OÜ in Tallinn. Die Website nennt bis zu 6 % p. a. und keine Aufsichtsbehörde. Die Gesellschaft vergibt nach eigener Angabe selbst keine Kredite. Laut Scout ist das Kreditbuch dahinter zu rund 27 % notleidend. Anleger in Go & Grow haben bisher trotzdem keinen Verlust erlitten, weil Ausfälle im Produkt abgefedert werden. Eine Garantie ist das nicht. Reicht das Geld im Topf nicht, zahlt Go & Grow in Teilbeträgen aus.

  • Für wen: Als Teil der P2P-Quote, auf den du schneller zugreifen kannst. Nicht als Notgroschen.

👉

PeerBerry 🟡

Betreiber ist die Peerberry d.o.o. in Zagreb. Die Website nennt keine Lizenz. Laut Scout gibt es geprüfte Abschlüsse und eine Ausfallrate für Kunden von 0 %. Die Rückkaufzusage greift nach 60 Tagen Verzug und hängt an den Kreditgebern der Gruppe.

  • Zinsen: rund 9 % p. a. laut Scout. PeerBerry wirbt mit „bis zu 11 %“.
  • Für wen: Für die Beimischung von Konsumkrediten mit kurzer Bindung.

👉

Debitum 🟡

Betreiber ist die SIA DN Operator in Riga, im Register der Latvijas Banka als Wertpapierfirma eingetragen (seit 21.09.2021). Du kaufst Notes einzelner Gesellschaften oder verbriefte Kreditpools (ABS). Am 14.10.2026 standen nach meiner Rechnung rund zwei Drittel des laufenden Bestands bei zwei verbundenen lettischen Forstgesellschaften, dem Latvian Forest Development Fund I und II. Die Website zeigt bei jedem Instrument eine Rückkaufzusage („Buyback Obligation“), die Prospekte schreiben, es gebe keine. Die Waldflächen sind nicht per Hypothek verpfändet.

Debitum selbst nennt eine Ausfallquote von 0 % und schreibt dazu, dass 0,87 % auf umgeschuldete ukrainische Kredite entfallen. Der Scout misst anders und kommt auf 18,3 %, weil er einen bei p2pempire ausgewiesenen Anlegerverlust von rund 15,7 Mio. € einrechnet. Wie diese Zahl zustande kommt, gibt p2pempire nicht an.

  • Zinsen: im Verzeichnis 7,5 bis 15 % p. a. (14.10.2026), Debitum Flow 8 % mit Auszahlung nur auf Antrag.
  • Steuer: Wertpapiere, nach meiner Einordnung 27,5 %, selbst deklarieren.
  • Für wen: Für Anleger, die das Klumpenrisiko kennen und Debitum nur als kleine Beimischung halten.

👉

Monefit SmartSaver 🟡

SmartSaver betreibt die Monefit Investments OÜ in Tallinn, eine Tochter der Creditstar-Gruppe. Sie hat keine Zulassung der estnischen Finanzaufsicht, zugelassen ist dort nur die Kreditfirma Monefit Estonia OÜ als Kreditgeber. Du kaufst Forderungen aus Konsumkrediten der Creditstar-Firmen, ausgezahlt wirst du, indem Monefit sie zurückkauft. Im Rechner stehen 7,5 % p. a. für das Hauptkonto, Vaults mit 12 bis 24 Monaten Bindung bringen laut Monefit 9,42 bis 10,52 %. Fehlt Geld im Topf, setzt Monefit laut Nutzungsbedingungen alle Auszahlungen aus und zahlt in Raten. Die Gruppe hatte Ende 2025 Schulden beim 4,9-Fachen ihres Eigenkapitals, die Grenze in ihren Anleihen liegt beim Fünffachen. Du hängst an einer einzigen Kreditgruppe, die über Lendermarket zusätzlich Geld einsammelt.

👉

InSoil (früher HeavyFinance) 🟡

InSoil finanziert Agrarkredite, Sitz Vilnius, ab 100 € je Kredit. Laut Scout hat die Plattform eine EU-Crowdfunding-Lizenz und geprüfte Abschlüsse, die Kredite sind mit Land oder Maschinen besichert. Die Ausfallrate für Kunden ist mit 22,5 % hoch. Landwirtschaft hängt an Wetter und Preisen.

  • Zinsen: rund 11,5 % p. a. laut Scout.

👉

Estateguru 🟠

Estateguru OÜ aus Tallinn ist lizenzierter Crowdfunding-Dienstleister (estnische Finantsinspektsioon). Die Plattform schreibt selbst, dass Anleger bei einigen deutschen Krediten Kapital verloren haben. Nach eigener Darstellung sind 97 % des Portfolios zurückgezahlt oder werden planmäßig bedient (Stand 10/2026). Der Scout misst die Ausfallrate für Kunden mit 68,6 % und führt den Abschluss 2024 mit eingeschränktem Bestätigungsvermerk. Die Zahlen liegen so weit auseinander, dass ich hier keinen Link setze. Eine Lizenz ist eine Mindestanforderung, kein Qualitätsurteil.

Weitere Plattformen auf einen Blick

Plattform Art Zinsen ca. Ausfallrate für Kunden Lizenz Ampel
Konsumkredite 13,46 % 0,8 % Crowdfunding, Central Bank of Ireland 🟡
Kredite an Gruppenfirmen, Konsumkredite 12,0 % 0,35 % Wertpapierfirma, Latvijas Banka 🟡
Darlehen an eine Kreditfirma, als Wertpapier 11,9 % 4,2 % Wertpapierfirma, Latvijas Banka 🟡
Darlehen an Kreditfirmen 10,5 % 0,0 % Crowdfunding, FSC Bulgarien 🟡
Konsumkredite als Wertpapier 12,0 % 5,7 % Wertpapierfirma, Latvijas Banka 🟢
Immobilienkredite 10,58 % 9,9 % Crowdfunding, Bank of Lithuania 🟡
Agrarkredite 11,2 % 8,8 % Crowdfunding, Latvijas Banka 🟡
Unternehmen und Privat 14,3 % 10,0 % Aufsicht Bank of Lithuania 🟡
Konsumkredite, gebündelt 10,0 % 0,0 % Finantsinspektsioon, auf der Website beim Kreditgeschäft genannt 🟡
Konsumkredite 10,0 % 0,0 % keine, kein geprüfter Abschluss 🟠

Stand ¹ Hinweis zu Zinsen und Gebühren

Zinsen und Ausfallraten: Zins-Scout, Stand unter der Tabelle. Abschlussprüfung: Zins-Scout, Datenstand 10.10.2026. Lizenz: Angabe der Plattform auf ihrer Website am 13.10.2026. Esketit schreibt selbst, unter keiner Finanzlizenz reguliert zu sein. Eine Ausfallrate von 0 % heißt bei jungen Plattformen oft nur: noch keine Krise erlebt. Afranga erfüllt die drei Kriterien und steht trotzdem auf Gelb: Das Produkt SaveSmart hat mit Stikcredit einen einzigen Kreditnehmer, und die Kreditfirmen im Marketplace stammen laut Afranga großteils vom selben Team (Stand 13.10.2026). Crowdpear hat die Lizenz und steht ebenfalls auf Gelb: Die Plattform wies am 13.10.2026 selbst 1,9 Mio. € als verspätet und 2,3 Mio. € als in Betreibung aus, bei 26,3 Mio. € offenen Krediten, und nennt für die Risikoklasse C eine Ausfallquote von 25,4 % für 2024. LANDE hat die Lizenz und steht ebenfalls auf Gelb: Von 37,4 Mio. € offenen Krediten waren am 15.10.2026 laut eigener Statistik 3,2 Mio. € ausgefallen und weitere 6,9 Mio. € verspätet, zusammen rund 27 %. Die Website nennt dagegen eine Ausfallquote „stabil unter 5 %“, gerechnet auf das gesamte Volumen seit Start. Dazu kostet ein Konto ohne neues Investment seit 12 Monaten seit Oktober 2026 10 €, später 50 € pro Monat. Lendermarket hat die Lizenz und steht ebenfalls auf Gelb: Die Rückkaufgarantie greift erst 60 Tage nach dem verlängerten Fälligkeitstag, bei Creditstar also bis zu 240 Tage nach dem ursprünglichen Termin. Die Kredite mit Konzerngarantie (Creditstar-Gruppe) laufen alle im unregulierten Teil der Plattform. Am 16.10.2026 boten nur drei Kreditanbahner Kredite an, den größten Betrag ein Leasinganbieter ohne eigenen Anteil an den Krediten. Laut eigener Darstellung hatte Lendermarket 2022 bis 2024 Zahlungsverzögerungen. Nectaro hat die Lizenz und steht ebenfalls auf Gelb: Am 16.10.2026 waren laut eigener Statistik rund 77 % des offenen Kapitals unbesicherte Unternehmenskredite an Firmen der Dyninno-Gruppe, zu der auch Nectaro gehört. Die Kreditfirma dahinter hat für 2025 nur eine prüferische Durchsicht, keine Abschlussprüfung. Die Rückkaufpflicht kommt ebenfalls aus der Gruppe, bei den rumänischen Konsumkrediten musste sie laut Statistik für rund ein Viertel des Volumens einspringen. Einen Sekundärmarkt gibt es nicht. Twino hat die Lizenz und steht ebenfalls auf Gelb: Alle aktuellen Wertpapiere hängen an einem einzigen Kreditnehmer, der polnischen Kreditkartenfirma Fincard, die demselben Eigentümer gehört wie Twino. Ihr Abschluss 2025 hat einen eingeschränkten Prüfvermerk, weil für ein laufendes Verfahren der polnischen Verbraucherschutzbehörde keine Rückstellung gebildet wurde. Eine Rückkaufgarantie gibt es nicht mehr, und das Produkt FLEXI nennt der Basisprospekt selbst illiquide (Stand 17.10.2026).


5. Warnliste

Die lettische Zentralbank (Latvijas Banka) führt eine Liste von Unternehmen, die nach ihrer Einschätzung Finanzdienstleistungen erbringen, für die eine Lizenz nötig wäre, und diese Lizenz nicht haben. Sie rät, mit solchen Anbietern nicht zusammenzuarbeiten, und weist darauf hin, dass Anlagen dort nicht unter das lettische Anlegerschutzgesetz fallen. Die Liste wurde am 24.10.2025 veröffentlicht und zuletzt am 21.09.2026 aktualisiert. Sie umfasst 20 Einträge.

Fünf davon sind Plattformen, die in meinem Rechner mit Warnhinweis stehen:

Plattform Eintrag auf der Liste
Robocash Robocash d.o.o.
Swaper Swaper Platform OÜ
Income Marketplace Income Company OÜ
Hive5 Hive5 marketplace d.o.o.
Fintown Fintown s.r.o.

Income Marketplace ist die Marke der Income Company OÜ: Die Website getincome.com nennt die Gesellschaft mit der estnischen Registernummer 16014116 als Betreiberin. Ebenfalls auf der Liste stehen unter anderem IUVO Group, Crowdestor, Kviku, Lonvest, Maclear und Ventus Energy.

Zu diesen Plattformen setze ich keine Links, auch keine Partnerlinks. Im Rechner bleiben sie sichtbar, mit rotem Warnhinweis, ohne Knopf und immer am Ende der Liste. Ein Eintrag auf der Liste ist kein Urteil über Betrug oder Zahlungsfähigkeit. Er sagt, dass die lettische Aufsicht die nötige Zulassung nicht sieht. Mir reicht das, um dort kein Geld anzulegen.

Quelle: Latvijas Banka, Liste der Unternehmen ohne passende Lizenz, abgerufen am 13.10.2026.


6. Meine fünf Regeln für P2P

So halte ich es selbst. Das ist keine Empfehlung für deine Situation.

  1. Höchstens 10 % meines Vermögens. P2P ist bei mir eine Beimischung. Das Fundament ist ein breit gestreuter ETF-Sparplan bei einem steuereinfachen Broker. Wie du den aufsetzt, steht im Einsteiger-Guide.
  2. Mindestens drei Plattformen, mindestens zwei Kreditarten. Zum Beispiel eine besicherte Plattform, eine für Konsumkredite und ein Produkt mit schnellerem Zugriff.
  3. Lizenz und geprüfter Abschluss. Fehlt eines davon, bleibt der Anteil klein. Warnliste: kein Geld.
  4. Nach Ausfällen und Steuern rechnen. 12 % Zinsen, 2 Prozentpunkte Ausfall, darauf 40 % Steuer: Es bleiben rund 6 %. Nimm dafür deinen eigenen Grenzsteuersatz.
  5. Boni entscheiden nichts. 1 % Cashback gleicht keine schlechte Plattformwahl aus.

7. Fazit und nächste Schritte

P2P-Kredite können ein Portfolio ergänzen. Den hohen Zinsen stehen Ausfälle, gebundenes Geld und in Österreich ein Steuernachteil gegenüber: Bei Darlehen zahlst du deinen Tarif statt 27,5 %, und das Deklarieren nimmt dir niemand ab.

Wer P2P als „besseres Tagesgeld“ sieht, übersieht die fehlende Einlagensicherung.

Deine nächsten Schritte

👉 1. Plattformen im P2P-Rechner vergleichen: Zinsen, Bonus, Ausfallrate, Lizenz

👉 2. Steuer vorbereiten: mein Gameplan für die E 1kv

👉 3. Erst das Fundament: der Einsteiger-Guide

Transparenz: Ich investiere seit über fünf Jahren selbst in P2P-Kredite. Wenn du dich über einen mit * markierten Link bei einer Plattform anmeldest, bekomme ich eine Provision. Für dich ändert sich nichts. Plattformen auf der Warnliste und Estateguru verlinke ich nicht.

Hinweis: Keine Anlage- oder Steuerberatung. P2P-Kredite sind riskant und nicht durch eine Einlagensicherung geschützt. Ein Totalverlust ist möglich. Bei konkreten Steuerfragen wende dich an eine Steuerberatung.


Weiterlesen


Kostenlos

Geld verstehen lernen

Das Einsteiger-E-Book für Österreich — 68 Seiten, kostenlos.

  • Depot eröffnen, Schritt für Schritt
  • KESt und Meldefonds ohne Juristendeutsch
  • Die fünf Fehler, die mich Geld gekostet haben

In 3 Schritten das Buch als PDF herunterladen

  1. E-Mail-Adresse eintragen
  2. E-Mail mit Opt-in bestätigen
  3. Link in der E-Mail klicken und herunterladen

Du bekommst eine Bestätigungsmail. Abmeldung jederzeit mit einem Klick, Details in der Datenschutzerklärung.

Cover des E-Books „Geld verstehen lernen" von Markus Schachl