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3 Anlagestrategien zum Start: Lazy Wealth, Cashflow oder Core-Satellite?

Werbung | Stand: September 2026 | Autor: Markus Schachl

Geprüft am : KESt-Sätze (BMF, Steuerbuch 2026, S. 13), Besteuerung ausschüttungsgleicher Erträge (InvFR 2018, Rz 16), Quellensteuer-Anrechnung (BMF), P2P-Besteuerung (§ 27a Abs. 2 Z 1 EStG), Spitzensteuersatz (BMF). Eigene Depotzahlen: Stand 25./27.09.2026.

Inhalt

  1. Vor jeder Strategie: das Fundament
  2. Chance, Risiko, Varianz: was das eigentlich heißt
  3. Strategie 1: Lazy Wealth (Welt-ETF)
  4. Strategie 2: Cashflow (Dividenden & P2P)
  5. Strategie 3: Core-Satellite
  6. Alle drei im Vergleich
  7. Rechne deine Strategie durch

Vor jeder Strategie: das Fundament

Keine Strategie der Welt rettet dich, wenn das Fundament fehlt. Deshalb gilt zuerst:

Deine Situation Erster Schritt
Du hast Konsumschulden (Kontoüberziehung, Kreditkarte, Ratenkauf) Zuerst tilgen. Kein Investment bringt dir verlässlich mehr, als ein Überziehungsrahmen kostet.
Du hast weder Schulden noch Erspartes Fixkosten durchforsten (Abos, Versicherungen, Energie, Handy) und einen Notgroschen aufbauen
Du hast schon Erspartes Notgroschen sichern und bestehende Produkte prüfen: Bausparer, fondsgebundene Lebensversicherung, teure Bankfonds

Notgroschen: drei bis sechs Monatsausgaben, auf einem Tagesgeldkonto. Die aktuellen Zinsen vergleichst du im Tagesgeld-Rechner.

Erst wenn das steht, geht es um die Strategie.


Chance, Risiko, Varianz: was das eigentlich heißt

Die meisten Vergleiche schauen nur auf die erwartete Rendite. Genauso wichtig ist aber die Varianz: Wie weit können die tatsächlichen Ergebnisse vom Erwarteten abweichen, nach oben und nach unten?

Ein Beispiel: 200 € im Monat, 30 Jahre lang (vor Steuern, Rendite als effektiver Jahreszins):

Durchschnittsrendite p. a. Endvermögen
4 % ca. 137.000 €
5 % ca. 163.000 €
7 % ca. 234.000 €
9 % ca. 340.000 €

Zwischen „etwas Pech“ und „etwas Glück“ liegen also mehr als 200.000 €, bei exakt demselben Sparverhalten. Das ist Varianz. Du kannst sie nicht wegzaubern. Du kannst aber entscheiden, welche Art von Varianz du trägst:

  • Symmetrische Varianz: Es kann deutlich besser oder deutlich schlechter laufen. Das ist typisch für Aktien und ETFs.
  • Asymmetrische Varianz: Die Chance nach oben ist gedeckelt, das Risiko nach unten nicht. Das ist typisch für Kredite und P2P. Du bekommst maximal deinen Zins, kannst aber alles verlieren.

Merk dir diese Unterscheidung. Sie ist der Schlüssel zu den drei Strategien.


Strategie 1: Lazy Wealth (Welt-ETF)

Die Idee

Ein einziger, breit gestreuter Welt-ETF (z. B. FTSE All-World oder MSCI ACWI) oder die Kombination MSCI World + Emerging Markets. Sparplan einrichten, laufen lassen, einmal im Jahr draufschauen. Fertig.

Chance

Du bekommst die Rendite des Weltaktienmarkts, abzüglich minimaler Kosten (TER meist 0,1–0,25 %). Historisch waren das langfristig rund 7 % p. a. Das ist keine Garantie, aber eine realistische Annahme für lange Zeiträume.

Risiko & Varianz

Die Varianz ist hoch, aber symmetrisch und über die Zeit gut beherrschbar:

  • Kurzfristig heftig: In der Finanzkrise haben Welt-Indizes rund die Hälfte ihres Werts verloren. 2020 war in wenigen Wochen rund ein Drittel weg.
  • Langfristig gezähmt: Je länger du investiert bist, desto enger liegen die Ergebnisse beieinander. Über 15 Jahre und mehr haben breit gestreute Welt-Portfolios historisch nur selten mit Verlust geendet.
  • Kein Einzelrisiko: Keine Firma, keine Plattform und kein Kreditnehmer kann dein Portfolio allein ruinieren. Mehrere tausend Unternehmen tragen das Risiko gemeinsam.

Das eigentliche Risiko bist du: Wer im Crash verkauft, macht aus einer Schwankung einen echten Verlust.

Steuer in Österreich

  • Kursgewinne und Erträge: 27,5 % KESt (BMF, Steuerbuch 2026, S. 13).
  • Kaufe nur Meldefonds. Bei thesaurierenden ETFs werden die ausschüttungsgleichen Erträge einmal jährlich besteuert (BMF, InvFR 2018, Rz 16). Nicht-Meldefonds werden pauschal und meist deutlich teurer besteuert.
  • Mit einem steuereinfachen Broker erledigt sich das alles automatisch.

Für wen?

Für fast alle. Vor allem, wenn du wenig Zeit hast, keine Lust auf Recherche und einen Anlagehorizont ab 10 Jahren.

👉 So richtest du deinen ersten ETF-Sparplan ein: Einsteiger-Guide


Strategie 2: Cashflow (Dividenden & P2P)

Die Idee

Hier geht es nicht um Vermögenswachstum, sondern um laufende Einnahmen: Dividenden-Aktien oder Dividenden-ETFs, dazu P2P-Kredite für Zinsen. Das Ziel: jeden Monat Geld aufs Konto.

Chance

Das psychologische Plus ist echt. Regelmäßige Zahlungen fühlen sich gut an und helfen vielen, im Crash nicht zu verkaufen. P2P-Plattformen werben mit 8–12 % Zinsen, Dividenden-ETFs mit 3–5 % Ausschüttungsrendite.

Risiko & Varianz

Hier wird’s tückisch, weil die Varianz versteckt ist:

Dividenden: Eine Dividende ist kein Zusatzgewinn. Sie wird aus dem Unternehmenswert bezahlt, der Kurs sinkt entsprechend. Dazu kommt ein Klumpenrisiko: Dividendenstrategien landen oft in wenigen Branchen wie Banken, Energie, Immobilien und Tabak. Hohe Dividendenrenditen sind häufig ein Zeichen, dass der Markt dem Unternehmen misstraut.

Das sagen meine eigenen Zahlen: Den Global-Select-Dividend-ETF und den MSCI-World-ETF habe ich in derselben Woche im Coronacrash gekauft. Seither liegt der Dividenden-ETF bei +89 %, der MSCI World bei +144 %. Mit US-Immobilien-REITs habe ich trotz pünktlicher Dividenden unterm Strich 2.241 € verloren. Details stehen in meinem 8-Jahres-Erfahrungsbericht.

P2P-Kredite: Das ist der Klassiker der asymmetrischen Varianz. Monatelang läuft alles glatt, die Zinsen kommen und die Kurve sieht aus wie ein Lineal. Dann fällt ein Kreditanbahner oder eine Plattform aus, und ein Teil des Kapitals ist weg. Die Chance nach oben ist dein Zins, das Risiko nach unten dein ganzer Einsatz. Einlagensicherung gibt es keine.

Steuer in Österreich

Hier verliert die Cashflow-Strategie gegen Lazy Wealth:

  • Dividenden: 27,5 % KESt. Ausländische Quellensteuer ist laut BMF nur bis maximal 15 % der Bruttoerträge anrechenbar. Was darüber hinaus einbehalten wird, musst du im Quellenstaat selbst zurückholen, sonst ist es weg.
  • Kein Steuervorteil gegenüber thesaurierenden ETFs: In Österreich werden auch thesaurierende Meldefonds jährlich über die ausschüttungsgleichen Erträge besteuert (InvFR 2018, Rz 16). Ausschütten oder thesaurieren ist hier also vor allem eine Geschmacksfrage, keine Steuerfrage.
  • P2P-Zinsen: Einkünfte aus Darlehen und nicht verbrieften Forderungen, denen kein Bankgeschäft zugrunde liegt, sind vom Sondersteuersatz ausgenommen (§ 27a Abs. 2 Z 1 EStG). Sie werden zu deinem persönlichen Einkommensteuertarif besteuert, also mit bis zu 55 %. Einen KESt-Abzug gibt es nicht, du deklarierst selbst.

Heißt konkret: In der 40-%-Tarifstufe bleiben von 10 % P2P-Zinsen nur 6 %, und das vor Ausfällen.

Für wen?

Für Anleger, die bewusst Cashflow wollen, etwa kurz vor oder in der Pension, und die Mehrarbeit und das Klumpenrisiko akzeptieren. Als Einstiegsstrategie ist sie meist die schlechtere Wahl.

👉 P2P-Kredite Master-Guide 2026: Plattformen, Risiken & Steuern


Strategie 3: Core-Satellite

Die Idee

Der Kern (Core, ca. 80–90 %) ist ein Welt-ETF, also Lazy Wealth. Drumherum kreisen kleine Satelliten (10–20 %): Einzelaktien, Themen-ETFs, Krypto oder P2P. Der Kern sorgt für das Fundament, die Satelliten für Spielraum und Lernkurve.

Chance

Du bekommst die Marktrendite über den Kern und die Chance auf Übergewinn über die Satelliten. Und das Wichtigste: Du stillst die Lust am Stock-Picking, ohne dein ganzes Vermögen aufs Spiel zu setzen.

Risiko & Varianz

Die Varianz des Gesamtportfolios wird vom Kern bestimmt. Ein Satellit mit 10 % Anteil, der sich halbiert, kostet dich 5 % des Portfolios. Das ist ärgerlich, aber überlebbar.

Das eigentliche Risiko ist subtiler: Satelliten neigen zum Wachsen. Aus 10 % werden 30 %, weil „die eine Aktie gerade so gut läuft“. Dann ist aus Core-Satellite unbemerkt eine Stock-Picking-Strategie geworden.

Die Messlatte: Vergleiche deine Satelliten jedes Jahr mit dem Kern. Bei mir sieht das nach 8 Jahren so aus: Einzelaktien +33 %, ETFs +55 % auf das eingesetzte Kapital. Mein Satellit hat also verloren, und zwar gegen meinen eigenen Kern.

Steuer in Österreich

  • Kern und Aktien-Satelliten beim steuereinfachen Broker: 27,5 % KESt, automatisch abgeführt.
  • Krypto: ebenfalls 27,5 %. Bei einem steuereinfachen Anbieter wird die KESt automatisch abgezogen.
  • P2P als Satellit: siehe oben, Tarif statt 27,5 % und selbst deklarieren.
  • Jeder zusätzliche nicht steuereinfache Anbieter bedeutet mehr Arbeit in der E1kv. Halte die Zahl deiner Satelliten-Plattformen klein.

Für wen?

Für alle, die sich für Märkte interessieren und etwas „selbst machen“ wollen, aber diszipliniert genug sind, die Satelliten klein zu halten.


Alle drei im Vergleich

Lazy Wealth Cashflow Core-Satellite
Renditeerwartung Marktrendite Oft unter dem Markt, nach Steuern meist deutlich Marktrendite ± Satelliten
Varianz Hoch, aber symmetrisch Versteckt, bei P2P asymmetrisch Vom Kern bestimmt, Satelliten erhöhen sie
Größtes Risiko Im Crash verkaufen Klumpenrisiko, Ausfälle, Plattformpleiten Satelliten wachsen unbemerkt
Steuer AT 27,5 %, steuereinfach möglich 27,5 % + Quellensteuer-Thema, P2P zum Tarif Mix, je nach Satellit
Aufwand ~1 Stunde pro Jahr Hoch (Auswahl, Plattformen, E1kv) Mittel
Für Einsteiger ✅ Beste Wahl ⚠️ Eher nicht ✅ Mit klarer Obergrenze

Rechne deine Strategie durch

Theorie ist gut. Deine eigene Zahl ist besser. Mein Zinseszinsrechner auf der Startseite zeigt dir, was aus deiner Sparrate wird, inklusive KESt und Inflation.

So nutzt du ihn für deine Strategie:

  1. Lazy Wealth: Wähle „27,5 % KESt (Aktien/ETFs)“. Dann rechne mit 7 % und zum Vergleich mit 5 %. Die Differenz ist deine Varianz in Euro.
  2. Core-Satellite: Rechne den Kern (80–90 % deiner Sparrate) wie oben. Den Satelliten rechnest du einmal mit 0 % Rendite. So siehst du, was dich ein Totalausfall kosten würde.
  3. Cashflow/P2P: Der Rechner kennt den Einkommensteuertarif nicht. Setze deshalb eine vorsichtige Rendite nach Ausfällen ein und zieh deinen Grenzsteuersatz im Kopf ab. Plattformen und Zinsen vergleichst du im P2P-Rechner.

👉 Jetzt deine Strategie im Zinseszinsrechner durchrechnen

Und wenn du danach loslegen willst: Den passenden Broker findest du im Depot-Rechner.

Hinweis: Keine Anlage- oder Steuerberatung. Vergangene Renditen sind keine Garantie für die Zukunft. Investieren ist mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden.


Kostenlos

Geld verstehen lernen

Das Einsteiger-E-Book für Österreich — 68 Seiten, kostenlos.

  • Depot eröffnen, Schritt für Schritt
  • KESt und Meldefonds ohne Juristendeutsch
  • Die fünf Fehler, die mich Geld gekostet haben

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Cover des E-Books „Geld verstehen lernen" von Markus Schachl