Investieren anfangen in Österreich: Der Einsteiger-Guide 2026
Werbung | Stand: September 2026 | Autor: Markus Schachl | Lesedauer: ca. 8 Minuten
Geprüft am : Steuerstatus Trade Republic und Scalable Capital (derStandard, broker-test.at), KESt-Sätze und Meldefonds-Regel (BMF, OeKB).
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Darum geht’s
Du willst anfangen zu investieren, weißt aber nicht, wo? Gut. Dann stehst du genau dort, wo jeder einmal gestanden ist.
Die gute Nachricht: Investieren war in Österreich noch nie so einfach und so günstig wie heute. Die schlechte: Das Internet ist voll mit Leuten, die dir „passives Einkommen in 30 Tagen“ versprechen. Das hier ist kein solcher Artikel. Hier bekommst du einen Plan, der funktioniert, wenn du dranbleibst. Nicht mehr, nicht weniger.
Die 4 Schritte im Überblick:
- Notgroschen aufbauen
- Steuereinfachen Broker wählen
- Den richtigen ETF finden
- Ersten Sparplan einrichten
Schritt 1: Erst der Notgroschen, dann die Börse
Bevor du einen Euro investierst, brauchst du eine Cashreserve. Als Faustregel gelten drei bis sechs Monatsausgaben. Die Reserve ist dafür da, dass du bei einer kaputten Waschmaschine nicht deine ETFs im Crash verkaufen musst.
So gehst du vor:
- Fixkosten checken. Versicherungen, Handy, Internet, Strom und Gas: Einmal im Jahr über ein Vergleichsportal durchrechnen. Jeder Euro, den du hier sparst, ist ein Euro für deinen Sparplan.
- Reserve auf ein Tagesgeldkonto. Aktuelle Zinsen vergleichst du im Tagesgeld-Rechner. Wenn du ein Konto bei einer österreichischen Bank oder einem steuereinfachen Anbieter wählst, wird die KESt auf die Zinsen (25 % bei Sparguthaben) automatisch abgezogen. Bei ausländischen Banken ohne KESt-Abzug musst du die Zinsen selbst in der Steuererklärung angeben.
- Nicht zu viel horten. Cash über der Reserve verliert Jahr für Jahr gegen die Inflation. Die Reserve ist dein Airbag, keine Geldanlage.
Schritt 2: Der Broker, bei dem du deine Steuer vergessen kannst
Das ist die wichtigste Entscheidung für Einsteiger in Österreich. Das liegt nicht an den Gebühren, die sind mittlerweile überall niedrig. Es geht um die Steuer.
Gewinne aus Aktien, ETFs und Krypto werden in Österreich mit 27,5 % KESt besteuert. Liegt dein Depot bei einer österreichischen Bank, zieht sie die KESt ab, und die Sache ist in der Regel endbesteuert. Bei einem Broker ohne KESt-Abzug musst du alle Erträge selbst in der Steuererklärung deklarieren. Laut BMF ist das dann ein Pflichtveranlagungstatbestand.
Steuereinfach heißt also: Der Broker erledigt das für dich. Nicht steuereinfach heißt: Du sitzt jedes Frühjahr mit Steuerreport und Kennzahlen vor FinanzOnline.
Meine Empfehlung für Einsteiger
Trade Republic ist seit 24. April 2025 steuereinfach in Österreich. Die KESt auf Kursgewinne, Dividenden, ausschüttungsgleiche Erträge, Krypto und Zinsen führt Trade Republic automatisch ab. Depot, Sparpläne und Steuer laufen über eine einzige App. Für Einsteiger, die ETFs besparen wollen, gibt es derzeit kaum eine bequemere Lösung.
👉 Schritt-für-Schritt: So meldest du dich bei Trade Republic an. Mein Guide zeigt dir jeden Klick, von der Registrierung bis zum ersten Sparplan.
Scalable Capital ist bei Gebühren, Handelsplätzen und der Desktop-Version stark. In Österreich ist Scalable aber (Stand September 2026) nicht steuereinfach. Die Umstellung ist angekündigt, ein Starttermin fehlt noch. Für aktive Trader ist das okay. Wer als Einsteiger „einfach nur sparen“ will, schafft sich damit eine jährliche Hausaufgabe.
Steuereinfach sind außerdem alle österreichischen Banken mit Depot (z. B. DADAT, easybank, bank99) und flatex. Dort zahlst du pro Order meist mehr, dafür sitzt der Ansprechpartner in Österreich.
👉 Trade Republic oder Scalable Capital im Vergleich
👉 Alle Broker im Depot-Vergleichsrechner
Transparenz: Bei Trade Republic und Scalable Capital bekomme ich eine Provision, wenn du über meinen Link ein Depot eröffnest. Beide zahlen. Die Empfehlung hängt am Steuerstatus, nicht an der Provision.
Schritt 3: Der ETF, mit dem du nichts falsch machst
Einzelaktien zu picken ist spannend. Für den Anfang ist es aber meistens teures Lehrgeld. Ein breit gestreuter ETF kauft dir mit einer einzigen Order hunderte bis tausende Unternehmen weltweit.
Die drei Klassiker:
| Variante | Was drin ist | Für wen |
|---|---|---|
| All-World-ETF (FTSE All-World oder MSCI ACWI) | Industrie- und Schwellenländer in einem ETF | Die Ein-ETF-Lösung. Einmal einrichten, fertig |
| MSCI World + Emerging Markets (z. B. 70/30 oder 80/20) | Dasselbe Prinzip, zwei ETFs | Für alle, die die Gewichtung selbst steuern wollen |
| MSCI World solo | Nur Industrieländer | Einfach, aber ohne Schwellenländer |
Worauf du achten musst:
- Nur Melde-ETFs kaufen. Österreich hat eine Spezialregel. ETFs, die ihre Erträge nicht an die Oesterreichische Kontrollbank melden (Nicht-Meldefonds), werden pauschal und meist deutlich teurer besteuert. Die großen ETFs bekannter Anbieter sind fast immer Meldefonds. Prüfen kostet dich trotzdem nur eine Minute.
- Thesaurierend oder ausschüttend? Bei thesaurierenden ETFs fallen jährlich sogenannte ausschüttungsgleiche Erträge an. Bei einem steuereinfachen Broker musst du dich darum nicht kümmern, das läuft automatisch. Bei einem nicht steuereinfachen Broker gehören sie in die E1kv.
- Kosten (TER): Bei den Klassikern liegt die TER meist zwischen 0,1 % und 0,25 % pro Jahr. Mehr musst du für einen Welt-ETF nicht zahlen.
Schritt 4: Sparplan einrichten und dann Finger weg
Der Sparplan ist das mächtigste Werkzeug, das du als Einsteiger hast. Du legst einmal fest, wie viel du monatlich investierst, und der Broker kauft automatisch. Kein Timing, kein Bauchgefühl, kein „ich warte noch auf den Crash“.
So geht’s bei Trade Republic:
- Depot eröffnen und verifizieren (zum Anmelde-Guide)
- Geld per Überweisung aufs Verrechnungskonto einzahlen
- ETF über die Suche finden (am einfachsten über die ISIN)
- „Sparplan“ wählen, Betrag und Ausführungstag festlegen
- Bestätigen und laufen lassen
Wie viel? So viel, dass du es auch in einem schlechten Monat nicht stoppen musst. 50 € durchgezogen schlagen 500 €, die du nach drei Monaten wieder abbrichst.
Was aus 200 € im Monat werden kann
| Annahme | Eingezahlt nach 30 Jahren | Depotwert (vor Steuer) | Depotwert (nach 27,5 % KESt auf den Gewinn) |
|---|---|---|---|
| 5 % Rendite p. a. | 72.000 € | ca. 163.000 € | ca. 138.000 € |
| 7 % Rendite p. a. | 72.000 € | ca. 234.000 € | ca. 189.000 € |
Vereinfachte Rechnung: monatliche Einzahlung, Rendite als effektiver Jahreszins, ohne Inflation, Kosten und die jährliche Besteuerung der ausschüttungsgleichen Erträge. 5 % und 7 % sind Annahmen, keine Prognose.
👉 Rechne dein eigenes Szenario mit meinem Zinseszinsrechner durch, inklusive KESt und Inflation
Die Realität, damit es später keine Überraschungen gibt: Zwischendurch wird dein Depot auch einmal 30 % im Minus stehen. Das ist kein Fehler im System, das ist das System. Die Rendite ist die Bezahlung dafür, dass du in solchen Phasen nicht verkaufst.
Und P2P-Kredite, Krypto & Co.?
Kurz: Das ist optional und gehört nicht zum Fundament.
- Krypto: Das ist hochspekulativ. Wenn überhaupt, dann nur mit Geld, dessen Totalverlust dich nicht umhaut. Wenn du Krypto kaufst, dann über einen steuereinfachen Anbieter wie Bitpanda (seit 1.1.2024 mit automatischem KESt-Abzug). Auch Krypto-Gewinne unterliegen in Österreich 27,5 % KESt.
- P2P-Kredite: Hier locken hohe Zinsen, dafür gibt es Ausfallrisiko und Plattformrisiko. Dazu kommt Steuer-Handarbeit: P2P ist nicht steuereinfach, und unverbriefte Privatdarlehen werden zum progressiven Tarif besteuert statt mit 27,5 %. Plattformen mit Risiko-Ampel findest du im P2P-Kredite Master-Guide 2026, Zinsen und Ausfallquoten live im P2P-Rechner. Details zur Steuer findest du in meinem Steuer-Gameplan.
Zuerst steht das Fundament aus Notgroschen und ETF-Sparplan. Erst danach kommt die Kür, und auch nur, wenn du sie wirklich willst. Wie du beides sauber kombinierst, zeigt der Vergleich 3 Anlagestrategien zum Start: Lazy Wealth, Cashflow oder Core-Satellite.
Die 5 häufigsten Einsteigerfehler
- Warten auf den perfekten Zeitpunkt. Den gibt es nicht. Der zweitbeste Zeitpunkt ist heute.
- Zu viele ETFs. Fünf Welt-ETFs streuen nicht besser als einer. Sie machen es nur unübersichtlicher.
- Im Crash verkaufen. Genau dann entstehen die Verluste, die du vorher nur auf dem Papier hattest.
- Den falschen Broker wählen. Mit einem nicht steuereinfachen Broker holst du dir als Einsteiger ohne Not die E1kv ins Haus.
- Jeden Tag ins Depot schauen. Das bringt nichts außer schlechter Laune. Einmal im Quartal reicht völlig.
Fazit: Heute anfangen
Du brauchst kein Finanzstudium, kein großes Startkapital und keinen Guru. Du brauchst:
- einen Notgroschen,
- einen steuereinfachen Broker,
- einen breit gestreuten Melde-ETF,
- einen Sparplan, den du durchziehst.
Das Setup kostet dich einen Nachmittag. Die Rendite holst du dir über die nächsten Jahrzehnte. Der Rest ist Geduld, und die ist leider nicht per Sparplan erhältlich.
Deine nächsten Schritte
👉
👉 2. Anmeldung Schritt für Schritt: mein Trade-Republic-Guide
👉 3. Dein Vermögen durchrechnen mit dem Zinseszinsrechner
Du bist lieber am Laptop unterwegs und hast kein Problem mit der Steuererklärung?
Hinweis: Keine Anlage- oder Steuerberatung. Investieren ist mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Konditionen und Steuerstatus: Stand September 2026.
